Welche Folgen hat Corona auf unser Klima?

Die Coronakrise und der daraus folgende Lockdown führten zu einem starken Rückgang der CO2-Emissionen von über einer Milliarden Tonnen, doch Forscher sagen, dass dies nicht lange anhalten werde. Allerdings gibt es, während viele noch über diese Auswirkungen staunen und auf einen Lerneffekt hoffen, schwerwiegende Folgen im Hinblick auf die Zerstörung des Regenwaldes in Brasilien.

Von Joris Maller

Anfang April wurde in vielen Ländern die Produktion der Fabriken heruntergefahren, der Autoverkehr kam fast zum Stillstand und der Luftverkehr stand nahezu still, wodurch es teilweise auch zu einem kompletten Stillstand der Wirtschaft kam. Satellitenbilder zeigten plötzlich einen freien, nicht mehr durch Abgase verdeckten Blick, zum Beispiel auf die chinesische Stadt Wuhan. Eine Studie der Universität Stanford, veröffentlicht im Fachjournal Nature, errechnete, dass, im Vergleich zum vorherigen Jahr, 17 Millionen Tonnen CO2-Emissionen täglich weniger ausgestoßen wurden, dies entspricht etwa 17 Prozent. Dies war der größte Rückgang seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Der Anteil des Straßenverkehrs und der Industrie betrugen dabei jeweils 43 Prozent,  zusammen also 86 Prozent, und der Luftverkehr trug 10 Prozent dazu bei.

Allerdings sagt Corinne Le Quéré von der Universität East Anglia, die an der Studie beteiligt war, dass dieser extreme Rückgang nur vorrübergehend sein dürfte, da er keine strukturellen Veränderungen im Wirtschafts-, Verkehrs- oder Energiesystem widerspiegele. Dennoch geht man in der Studie davon aus, dass Ende des Jahres insgesamt vier bis sieben Prozent weniger CO2 ausgestoßen werden könnten und es wird betont, dass bei den Wiederbelebungsmaßnahmen der Wirtschaft der Klimaschutz ein vorrangiges Ziel sein sollte und dass insbesondere im Verkehr Möglichkeiten zu einer Veränderung da sind.

Forscher, die auf dem Mouna Loa in Hawaii Kohlendioxidmessungen vornehmen, rechnen jedoch damit, dass Ende des Jahres keine Auswirkungen der CO2-Reduktion während der Pandemie mehr erkennbar sein werden. Diese Annahme wird dadurch bestätigt, dass China schon Ende Mai seine CO2-Emissionen vor Corona deutlich überschritten hatte.

Besorgniserregend sind außerdem Satellitenbilder, die vom Nationalen Institut für Weltraumforschung (Inpe) ausgewertet wurden. Diese zeigen, dass in den Monaten Januar bis April 1200 km² des Regenwaldes im Amazonasgebiet abgeholzt wurden. Das entspricht einem Anstieg um 55 Prozent im Jahresvergleich. Dazu kommt noch, dass Brasiliens Regierung und vor allem der Umweltminister Ricardo de Aquino Salles die Fokussierung auf das Coronavirus ausnutzen möchte, um noch mehr Regenwald abzuholzen als zuvor.

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