Die Moral von Wels und Schnitzel

Von Ben Lindner

Für großes Aufsehen sorgte in der vergangenen Woche ein grandioser Fang eines großen Fisches. An einem Flussufer bei Frankfurt am Main fing ein Angler einen Wels von 1,5 Metern Länge. Nicht nur der Angler war von dem Fisch begeistert. Viele Passanten, die gerade ihren Spaziergang am Mainufer machten, blieben stehen. Sie bestaunten den Wels, filmten und fotografierten ihn. Alle waren von dem unglaublichen Fang begeistert.

Doch die gute Stimmung hielt nicht lange an. Der Angler, der sich entschlossen hatte, den Fisch mitzunehmen, tötete ihn vor den Augen aller, indem er den Fisch mit vier Schlägen auf den Kopf betäubte und ihn anschließend mit einem Herzstich tötete. Die Menge war empört, entsetzt und geschockt. Plötzlich hagelte es für den Angler Beschimpfungen und sogar Drohungen. Die Menge empfand sein Handeln als falsch und brutal. Doch war sein Handeln tatsächlich falsch?

Diese Fragestellung ist aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Aufgrund der derzeitigen Gesetzeslage darf nur der angeln, der einen gültigen Fischereischein besitzt. Den Fischereischein bekommt man jedoch nur nach bestandener Fischereiprüfung. In dieser Prüfung lernt der Angler unter anderem auch, wie man mit gefangenen Fischen verfährt. Entsprechend der Gesetzeslage darf ein Fisch, der eine bestimmte Größe, das sogenannte Mindestmaß, erreicht hat, nicht zurück in das Gewässer gesetzt werden. Für den Wels gilt derzeit kein Mindestmaß. Egal wie groß er ist, er muss mitgenommen werden, da er den Gewässern schadet. Entsprechend der Gesetzeslage hat sich der Angler also richtig verhalten. Dies bestätigte auch der Sprecher des Deutschen Angelfischereiverbandes (DAFV), Olaf Lindner, in einem Interview. Gesetzlich ist die Frage also relativ leicht zu beantworten. Der Angler hat sich gemäß der deutschen Gesetzeslage verhalten. Doch wie ist die Frage nun moralisch zu beantworten?

Die Leute werfen dem Angler Tierquälerei vor. Dabei scheint den meisten nicht bewusst zu sein, woher ihr tägliches Fleisch stammt. Hier ist wohl eine tiefgründigere Diskussion notwendig, um dem moralischen Aspekt gerecht zu werden.

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