Verantwortungsbewusster Journalismus

Geschichten hinter den Geschehnissen sehen: Realschüler besuchen die Redaktion

Von Klasse 8b, Droste-Hülshoff-Realschule

DORTMUND Die Klasse 8 b der Droste-Hülshoff-Realschule hört konzentriert zu. Über ihre Fragen sind sich die Kinder im Klaren, schon Anfang der Woche im Unterricht haben sie Notizen aufgeschrieben.

Die Schüler der Klasse 8b der Droste-Hülshoff-Realschule besuchen Redakteur Peter Bandermann (7.v.r.) im Pressehaus. FOTO HAGEMEISTER

Wie gelingt es einem Journalisten, aus hochemotionalen Situationen und sensiblen Interviews einen Artikel zu schreiben, der später in der Öffentlichkeit steht? Wie behält er die nötige Ruhe, wenn sein Gesprächspartner ergriffen ist? Wie entscheidet er, welche Informationen wichtig sind – und welche er auslassen kann?

„Ich gehe nach jedem Interview genau meine Aufzeichnungen durch“, sagt Peter Bandermann, „dabei markiere ich mir die wichtigsten Aussagen und erkenne sehr schnell, was ich kürzen kann.“ Der Redakteur aus der Dortmunder Lokalredaktion steht vor den Schülern, er erzählt. Von seinen Erfahrungen. Von seiner Arbeit. Von spannenden Tagen in der Lokalredaktion.

Die Klasse hat seinen Artikel über Emre Arslan in der Zeitung gelesen. Der Dortmunder überlebte in der Silvesternacht einen Terroranschlag in Istanbul. Er stand damals furchtbare Angst und Not durch. Und all das ist für ihn längst nicht Vergangenheit, er muss das Entsetzen jeden Tag verarbeiten. Das war den Schülern schon beim Lesen des Artikels bewusst. Aber jetzt, während der Redakteur ihnen schildert, dass ein Journalist vor allem auch in solchen Gesprächen Ruhe bewahren, Vertrauen aufbauen und sich dessen würdig erweisen muss, jetzt sind die Jugendlichen betroffen.

Schwierige Themen

„Was geschieht, wenn ein Interviewpartner in einer solchen Situation nicht weitersprechen mag?“ fragen sie. Und der Redakteur bestätigt ihre Vermutung: „Dann würden wir auch nichts veröffentlichen. Darauf muss man immer gefasst sein.“

Mehr und mehr versetzen sich die Achtklässler in den Blickwinkel eines Journalisten, der Geschichten hinter den Geschehnissen sieht und das Engagement beweist, sie aufzuschreiben, der auch vor schwierigen Themen oder unbequemen Aussagen nicht zurückschreckt. Sie erkennen die Verantwortung, die stets in dieser Arbeit liegt. Schon lange geht es an diesem Schultag um weitaus mehr als um eine Note für fleißiges Aufzeigen.

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